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    Unsere Initiative gegen MRSA-Killerkeime

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Vorsorge

Falsche und schlecht durchgeführte Therapien sind die Hauptursache für die Entstehung und Züchtung resistenter Erreger. Das Auftreten von MRSA-Stämmen im Krankenhaus erfordert gezielte antiepidemische Maßnahmen mit Isolierung des Patienten oder mehrerer mit MRSA infizierter Patienten in einem Zimmer. Da die Erreger im Krankenhaus v.a. von Pflegepersonal und Ärzten verbreitet werden, ist die wichtigste Maßnahme gegen die Ausbreitung der Killerkeime eine stets gründliche Händedesinfektion. Je nach anstehender Tätigkeit oder MRSA-Lokalisation beim Patienten werden zusätzlich Einmalhandschuhe, Schutzkittel und Mundschutz getragen. Die strikte Einhaltung der Händehygiene ist der wichtigste Teil der Vorsorge. Isolierungsmaßnahmen können die Übertragungsrate in Krankenhäusern deutlich verringern. Führungskräften kommt dabei eine wichtige Vorbildfunktion zu.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt Krankenhäusern Screening-Untersuchungen bisher nur für folgende Gruppen:

  1. Patienten mit chronischer Pflegebedürftigkeit, liegenden Kathetern oder chronischen Wunden
  2. Krankenhauspersonal bei Ausbruch von MRSA (gehäufter Nachweis von MRSA bei mehr als zwei Patienten, die in einem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang stehen sowie bei nachgewiesener klonaler Identität des MRSA)

Ein Screening aller neuen Patienten und des gesamten Personals hält das RKI für zu aufwändig, während das Gesundheitsministerium des Bundes auf die Zuständigkeit der Länder verweist.

In Deutschland haben zurzeit weniger als 5 % aller Kliniken einen Hygienearzt! Das ist mangelhaft! In Holland hingegen umfassen die Schutzmaßnahmen das Screening aller zur Aufnahme kommenden Patienten, den Einsatz eines eigenen Hygienefacharztes in jeder Klinik und die Abstimmung jeder Antibiotika-Behandlung mit einem Mikrobiologen. Dadurch kam es zu einer massiven Absenkung der MRSA-Prävalenz mit einer Häufigkeit von 20 %. Ähnliche positive Ergebnisse gibt es im Raum Münster, nachdem dort seit 2006 in über 40 Kliniken im Rahmen des EUREGIO-Projektes MRSA-net ein Verfahren ähnlich dem holländischen eingeführt wurde.

Ein ähnliches Verfahren wäre – laut zahlreichen Experten – auch für den Rettungsdienst und den Krankentransport sinnvoll. Da viele Patienten, die in klinischer Behandlung waren, ohne es zu wissen MRSA-Träger und auch (noch) keine entsprechenden Symptome zeigen, sollte das Rettungsfachpersonal die Anamnese auch auf solche Krankheiten hin betreiben.

Der Transport eines MRSA-positiven Patienten erfordert vom Rettungsfachpersonal das Tragen von Schutzkleidung und Einmalhandschuhen sowie eine Schlussdesinfektion des kompletten Fahrzeugs. Hierbei steht – neben der Gesundheit des Krankenpersonals – die Eindämmung der Verbreitung von MRSA im Vordergrund, da der Rettungs- bzw. Krankentransportdienst durch die hohe Zahl von Patientenkontakten und den häufigen Aufenthalt in Kliniken einen wesentlichen Vektor darstellt. Bei der Entlassung infizierter Patienten bleibt eine Dekolonisierung aus, da deren Kosten bis heute nicht von den Krankenkassen übernommen werden.

Im häuslichen Bereich sollen die üblichen konservativen Hygienemaßnahmen eingehalten werden, also ohne die Verwendung von Desinfektionsmitteln, Fleisch nicht roh verzehrt und Kleinkindern keine rohe Milch gegeben werden.

Zusammenfassend können Neuentstehung und Ausbreitung von MRSA durch drei Vorgehensweisen bekämpft werden:

  • den rationellen und erregerorientierten Einsatz von Antibiotika sowie deren Nichtanwendung, falls es nicht erforderlich ist
  • konsequentes Umsetzen vorbeugender Hygienemaßnahmen im Krankenhaus
  • Screening aller Patienten sofort bei der Aufnahme im Krankenhaus mit Isolierung und Sanierung betroffener Patienten

 Psychosoziale Effekte einer MRSA-Infektion wurden in Deutschland bisher nicht erforscht.